Der Zauber des Anfangs – mit Anfängergeist durchs Leben

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?
Eine Frage, die mich in letzter Zeit immer wieder begleitet. Und tatsächlich war es etwas ganz Alltägliches, das mich daran erinnert hat: Meine erste Ruderstunde.
Ich saß also in einem Boot, hatte keine Ahnung, wie ich meine Hände halten, wann ich ziehen, wann ich die Beine bewegen und wie ich das Ganze bitte auch noch einigermaßen rhythmisch koordinieren sollte.
Was beim Zuschauen so einfach aussah, war plötzlich gar nicht mehr so einfach.
Und genau das war irgendwie schön.
Der Anfängergeist
Im Buddhismus gibt es die Idee des „Beginner’s Mind“ – des Anfängergeistes: die Fähigkeit, einer Erfahrung mit Offenheit zu begegnen, ohne schon zu glauben, zu wissen, wie etwas ist.
Als Anfängerin konnte ich beim Rudern nichts einfach „abarbeiten“. Ich musste zuhören. Beobachten. Ausprobieren. Fehler machen. Mich korrigieren lassen. Wieder ausprobieren.
Ich musste meinen Anspruch loslassen, es richtig machen zu wollen. Und gleichzeitig war da diese besondere Aufmerksamkeit, die entsteht, wenn etwas neu ist. Jede Bewegung war bewusst. Jeder kleine Fortschritt fühlte sich plötzlich groß an.
Vielleicht kennen wir genau dieses Gefühl noch aus unserer Kindheit. Wenn wir etwas zum ersten Mal sehen, ausprobieren oder entdecken, schauen wir ganz genau hin. Wir bewerten nicht sofort. Wir vergleichen nicht. Wir fragen nicht: Mache ich das schon gut genug? Wir sind einfach neugierig.
Was, wenn wir diesen Geist mit auf die Yogamatte nehmen?
Gerade Yoga kann dazu verleiten, dass wir irgendwann glauben, bestimmte Asanas zu kennen.
Der herabschauende Hund? Kennen wir.
Der Krieger II? Kennen wir.
Die Vorbeuge? Haben wir schon hundertmal gemacht.
Aber kennen wir sie wirklich noch?
Was würde passieren, wenn du heute einmal auf deine Matte gehst und eine vertraute Haltung so übst, als würdest du sie zum ersten Mal entdecken?
Nicht mit dem Gedanken: Wie weit komme ich?
Sondern:
Wie fühlt sich diese Haltung heute an?
Wo ist Spannung?
Wo ist Raum?
Was verändert sich, wenn ich meinen Fuß ein kleines bisschen anders ausrichte?
Wie fühlt sich mein Atem an?
Was nehme ich wahr, wenn ich für einen Moment alles vergesse, was ich über diese Haltung zu wissen glaube?
Vielleicht ist die Haltung heute eine andere als gestern. Nicht, weil sich die Asana verändert hat, sondern weil du dich verändert hast.
Das ist für mich ein wunderschöner Aspekt von Yoga: Wir müssen nicht immer etwas Neues lernen. Manchmal dürfen wir etwas Bekanntes neu sehen.
Der Zauber des Anfangs außerhalb der Matte
Und vielleicht geht es dabei um noch viel mehr als um Yoga.
Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?
Wann hast du etwas ausprobiert, bei dem du nicht wusstest, ob du gut darin sein wirst? Wann hast du dich bewusst in eine Situation begeben, in der du Anfängerin oder Anfänger sein durftest?
Vielleicht ist es eine neue Sportart. Ein Instrument. Ein Rezept. Eine Reise allein. Ein Gespräch, das du bisher vermieden hast. Ein neuer Weg zur Arbeit. Ein Buch über ein Thema, von dem du noch nichts weißt.
Es muss nichts Großes sein. Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder ein bisschen mehr Neugier in unser Leben einzuladen. Denn als Anfänger müssen wir nicht funktionieren.
Wir dürfen fragen, ausprobieren, scheitern. Wir dürfen uns verändern. Und vielleicht liegt genau darin ein Stück dieses Zaubers.
Altes Wissen neu entdecken
Auch das ist etwas, das mich an Yoga immer wieder fasziniert. Yoga ist eine jahrtausendealte Tradition. Und trotzdem bedeutet Yoga für mich nicht, altes Wissen einfach unverändert zu übernehmen.
Vielmehr geht es darum, neugierig zu bleiben und zu fragen:
Was können uns diese alten Texte und Lehren heute noch sagen?
Wie können wir die Weisheit der Yogaphilosophie in unser modernes Leben übersetzen?
Wie können wir Yoga nicht nur auf der Matte praktizieren, sondern in unsere Beziehungen, unseren Alltag, unsere Arbeit und unseren Umgang mit uns selbst integrieren?
Genau hier setzt auch unsere Yoga Academy Thüringen an. Wir beschäftigen uns mit den Wurzeln und alten Schriften des Yoga und gleichzeitig damit, wie wir dieses Wissen für unsere heutige Welt verständlich, lebendig und erfahrbar machen können.
Denn für mich bedeutet eine fundierte Yogapraxis nicht, immer mehr Wissen anzusammeln. Es bedeutet, tiefer zu verstehen, selbst zu erfahren und das Gelernte ins Leben zu bringen (Yoga off the mat).
Vielleicht ist das letztlich auch eine Form des Anfängergeistes: immer wieder bereit zu sein, genauer hinzuschauen. Auch auf das, von dem wir glauben, es längst zu kennen.
Und vielleicht wartet genau dort manchmal der Zauber des Anfangs.
Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?
Und wo könntest du dir ein kleines Stück dieses Anfangs zurück in dein Leben holen?
Auf deiner Yogamatte. Oder einfach irgendwo da draußen, in deinem Alltag.
Wenn du tiefer eintauchen möchtest …
Am 1. Oktober startet unsere 200h Yoga Teacher Training Ausbildung der Yoga Academy Thüringen.
Eine Ausbildung für alle, die Yoga nicht nur unterrichten, sondern wirklich tiefer verstehen und als ganzheitlichen Weg erfahren möchten – mit Yoga-Praxis, Philosophie, Anatomie, Meditation, Pranayama, Unterrichtsmethodik und ganz viel Raum für die Verbindung von altem Wissen und unserem heutigen Leben.
Wenn du noch Fragen hast oder uns kennenlernen möchtest:
Am 29. August findet unser letzter Info-Workshop vor Ausbildungsbeginn statt.
Vielleicht ist genau das dein nächster Schritt: Etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.









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